Audimax Passau ist besetzt!

Veröffentlicht: 17. November 2009 von A (di bosco) in Bildung
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Der Bildungsstreik erreichte nun heute, am Dienstag, den 17. November, auch die Uni Passau. Nach einer Demonstration, die um 12 Uhr gestartet war, besetzten die protestierenden Studenten etwa um 13:30 Uhr den Audimax.

Hier, ein Bild (von mir mit Handykamera aufgenommen, daher so schlechte Qualität):

der besetzte Audimax Uni Passau

Der Präsident der Uni Passau spricht zu den Studenten

Wenig später schon wagte sich der Präsident der Uni, Prof. Dr. Walter Schweitzer, in den besetzten Hörsaal und nahm zu dem Forderungskatalog, der ihm überreicht worden war, Stellung. Dabei verwies des Öfteren auf seine eigenen 68-er Wurzeln und das Verstädnis gegenüber den Protesten. Allerdings betonte er auch, dass bei vielen Forderungen, die Macht zur Veränderung nicht bei der Universität liege, sondern bei der Politik. So werde man über eine Abschaffung der Studiengebühren erst dann reden können, wenn die Hochschule die fehlende Summe vom Staat zugesprochen bekäme.

Der Forderung nach Verlängerung der Regelstudienzeit des Bachelors von sechs auf acht Semester schien der Präsident generell auch positiv gegenüber eingestellt zu sein. Doch auch hier liegt das Problem wieder in Regelungen, die der Uni vorgegeben sind: Erhöht man den Bachelor auf acht Semester bleiben für den Master nur noch zwei Semester, da insgesamt nur 10 Semester vorgesehen sind.
Der Abschaffung von Anwesenheitspflicht, was ebenfalls gefordert wird, stimmte Schweitzer zu. Anwesenheitspflicht sei nur bei Veranstaltungen sinnvoll, die Inhalte vermitteln, die nicht im Selbststudium erlernt werden können. Dies trifft auf die meisten Veranstaltung der Universität Passau nicht zu.

Insgesamt versprach der Präsident Ende Januar den Studenten zu Pläne zu präsentieren, wie Verbesserungen angestrebt werden können und die angeprangerten Missstände beseitigt werden können.

Hier noch ein Video, das ich auf YouTube gefunden habe, auf der die Besetzung des Audimax zu sehen ist. Anscheinend wurde die Rechnungsvorlesung gestürmt. :) Leider war ich da noch nicht dabei.

Mehr Informationen zum Bildungsstreik, seinen Hintergründen und Teilnehmern, gibt es im Allgemeinen hier: http://www.bildungsstreik.net/.

Und hier findet man aktuelle News zur Lage in Passau: http://www.free-blog.in/passaubrennt

Den Forderungskatalog der Bildungsstreik-Teilnehmer der Uni Passau erscheint, wenn ihr auf „Weiterlesen“ klickt. :)

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FORDERUNGSKATALOG

(habe ich der Studi-Vz-Gruppe Bildungsstreik Passau entnommen)


1. Berufsqualifizierung des Bachelors verbessern – Regelstudienzeit anpassen

Die Universitätsleitung wird aufgefordert, auf die Verantwortlichen der jeweiligen Studiengänge einzuwirken, die Regelstudienzeit der Bachelorstudiengänge auf 8 Semester zu verlängern. Der Modellversuch beim B.A. European Studies ist hierbei bereits ein Schritt in die richtige Richtung.
Durch die Einbindung von Praktika und Auslandssemestern als eigenständiges Semester in die Regelstudienzeit kann die derzeit mangelhafte Berufsqualifizierung des Bachelors verbessert werden. Damit einhergehend würde die Masterstudienzeit von vier auf zwei Semester reduziert und somit der Zulauf zu Masterstudiengängen reduziert, da viele Studierende nach vier Jahren Studium eher befähigt sind eine ihrer Qualifizierung entsprechende Arbeit aufzunehmen und nicht erst nach dem Masterabschluss.
Dadurch könnte ein grundlegendes Ziel der Bologna-Reformen, die Berufsqualifizierung mit Einfüh-rung des Bachelors zu verbessern, erreicht werden.

2. Studiengebühren sozialer ausgestalten – finanzielle Belastungen berücksichtigen

Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert bei der Erhebung der Studiengebühren soziale Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Dazu müssen sozial bedürftige Studierende von der Zahlungspflicht befreit oder zumindest teilweise befreit werden. Hierbei muss ein BaföG-Bescheid als Befreiungs- bzw. Senkungstatbestand gelten. Nur so kann für die wirklich finanziell Benachteiligten an der Uni-versität eine erhebliche Entlastung erreicht und ein sozial gerechteres Bildungssystem gestaltet werden.

3. Studentische Mitbestimmung ausbauen – Universitäre Demokratie stärken

Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert sich mit Nachdruck im Universitätsrat dafür einzuset-zen einen zweiten stimmberechtigten Studentischen Senator in der Grundordnung der Universität einzuführen. Nur durch eine auch personell stärkere Einbindung der Studierenden in universitäre
Entscheidungsprozesse kann der Wille der größten Gruppe an der Universität auch angemessener repräsentiert und artikuliert werden.

4. Mobilität erleichtern – Anerkennung von Studienleistungen verbessern

Die Universitätsleitung wird nachdrücklich dazu aufgefordert sich bei den jeweils Verantwortlichen der Studiengänge für die deutlich erleichterte Anerkennung von bereits an anderen Hochschulen erbrachten Leistungen und Leistungsnachweise aus Auslandssemestern einzusetzen. Diese Maßnahmen würden einen entscheidenden Beitrag zur Erhöhung der Mobilität der Studierenden leisten – ein zentrales Ziel der Bologna-Reformen könnte so durch entschiedenes Handeln der Universitäts-leitung erreicht werden.

5. Arbeitsbelastung der angebotenen Veranstaltungen realistischer einschätzen – ECTS-Punkte-Vergabe entsprechend anpassen

Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert auf die jeweils Verantwortlichen der Studiengänge einzuwirken mit dem Ziel den „Workload“ der entsprechenden Veranstaltungen realistischer einzu-schätzen. Derzeit spiegelt die Vergabe von ECTS-Punkten für Veranstaltungen viel zu selten den tatsächlichen Arbeitsaufwand einer Veranstaltung wider. Für eine Vorlesung mit 2 SWS und sehr be-grenztem Arbeits- und Lernaufwand werden meist genauso viel ECTS-Punkte vergeben wie für eine Vorlesung mit 6 SWS (inkl. Übung und Tutorium) und deutlich höherem Arbeits- und Lernaufwand. Entsprechendes gilt für Proseminare, die in der Regel mit deutlich höherem Arbeitsaufwand im Selbststudium verbunden sind als eine typische Vorlesung. Dadurch wird die Vergleichbarkeit der einzelnen Leistungen nahezu unmöglich gemacht und ein gerechtes Leistungsbewertungssystem verhindert.
Daher fordern wir die Universitätsleitung dazu auf, die Vergabe von ECTS-Punkten dem tatsächlichen Lern- und Arbeitsaufwand anzupassen.

6. Selbststudium fördern – Anwesenheitspflichten abschaffen

Die Universitätsleitung wird dazu aufgefordert, auf die entsprechenden Verantwortlichen der Lehrveranstaltungen dahingehend einzuwirken, dass Anwesenheitspflichten abgeschafft werden. Eine Anwesenheitspflicht steht der Idee eines selbstbestimmten Studiums und Lernens fundamental entgegen, da mündigen Menschen vorgeschrieben wird, was sie für die Erreichung ihres Lernziels zu tun haben. Eine Verbesserung der Lehrqualität ist nicht durch Anwesenheitspflicht zu erreichen, da ein durch Zwangsmaßnahmen gefüllter Hörsaal nicht für eine gute Lehre spricht. Wenn das Bestehen einer Prüfung von der Anwesenheit in der Lehrveranstaltung abhängig gemacht wird, kann nicht mehr von einem selbstbestimmten Lernen gesprochen werden, zu dem selbstverständlich auch die freie Entscheidung über die gewählten Lernmethoden gehören muss.

7. Soziale Hilfen für Studierende ermöglichen – Studentenwerke endlich besser stellen – staatliche Zuschüsse erhöhen

Die Universitätsleitung wird aufgefordert, sich mit Nachdruck bei der bayerischen Staatsregierung gegen den fortgesetzten Rückzug des Freistaates aus der Finanzierung der Studentenwerke einzusetzen!
Die Studentenwerke schaffen durch ihr Angebot in den Bereichen preisgünstiges Wohnen, Mensabetrieb und Kulturelles elementare Voraussetzungen für ein sozialverträgliches und vielfältiges Studium. Nichtsdestotrotz sind die Staatszuschüsse für das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz zwischen 1996 und 2008 um rund 62 % (2,5 Mio. €) zurückgegangen, sodass die Studierenden durch ihren eigenen Studentenbeitrag mittlerweile einen fast doppelt so hohen Beitrag zur Finanzierung des Studentenwerks leisten wie der Freistaat! Nur bei einer deutlichen finanziellen Trendwende kann das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz gerade finanzschwächeren jungen Menschen weiterhin existenzielle Leistungen für ein erfolgreiches Studium zu vertretbaren Preisen anbieten.

8. Prüfungsdruck senken – praktikable Lösungen erarbeiten

An der Universität Passau existieren momentan elf Bachelorstudiengänge. Bei derzeit drei dieser Studiengänge gehen alle Noten in die Bachelorendnote ein, bei mehr als der Hälfte der Studiengänge sind es über 80 %. Dies bedeutet für die Studierenden zweierlei: Zum Einen wird die Studieneingangsphase kaum oder gar nicht berücksichtigt – gerade in dieser Zeit jedoch tendieren die meisten Studierenden zu schlechteren Noten, da sie sich erst an die Arbeits- und Lernweise des Studiums gewöhnen müssen. Zum Anderen führt die Einstufung der ersten Noten zu Studienleistungen – Leistungen, die nicht in die Bachelornote eingehen – dazu, dass alle anderen Leistungen stärker gewichtet werden und somit auch einen größeren Einfluss auf die Endnote haben. Hier stehen wir somit vor einen Teufelskreis: Versucht man, den Studierenden entgegen zu kommen und den Anfang des Studiums zu erleichtern, erschwert man die spätere Studienphase.
Dieses Problem wird nun dadurch verschärft, dass neun dieser elf Studiengänge eine freiwillige Prüfungswiederholung explizit ausschließen. Das bedeutet für die Studierenden, dass schlechte Noten nicht verbessert werden können, ein Problem, dass virulent wird, wenn man bedenkt, dass Studierende teilweise 6 bis 7 Klausuren in den letzten 3 Wochen des Semesters absolvieren müssen. Bei einer derartigen Dichte von Klausuren können schlechte Noten jedoch nicht vermieden werden, da die Studierenden beim Lernen Mut zur Lücke beweisen müssen. Somit ergibt sich für Studierende, die während der Klausur bemerken, dass sie keine gute Note erreichen können, nur eine Möglichkeit: freiwilliges Durchfallen. Jedoch ist es Studierenden meist nur zweimal möglich, eine Prüfungs-leistung zu wiederholen, wobei beim zweiten Versuch eine Sonderregelung vorliegt und gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Das Problem liegt also wie folgt vor: Bemerkt der Studierende während der Prüfung, dass er keine gute Note erreichen kann, findet er sich entweder mit einer vier oder einer drei ab – die anschließend jedoch unveränderlich im Diploma Supplement erscheinen und die Bachelornote beeinflussen – oder aber er entscheidet sich zu einem freiwilligen Durchfallen, was jedoch im Extremfall – einem zweiten Durchfallen im darauf folgenden Semester – zur Exmatri-kulation führen kann.
Diese Probleme ließen sich einfach lösen: eine freiwillige Prüfungswiederholung muss gestattet werden, so dass der Studierende seine Leistungen selbstbestimmt verbessern kann. Hierbei muss jedoch auch die Seite der Dozierenden berücksichtigt werden, denn durch die Einführung des Bachelor und Master hat sich der Korrekturaufwand der wissenschaftlichen Angestellten erhöht, die Anzahl der Dozierenden jedoch kaum. Ein Problem, das ganz klar gegen eine freiwillige Prüfungswiederholung spricht. Es muss also eine Lösung gefunden werden, die sowohl den Interessen der Dozierenden als auch denen der Studierenden entspricht. Mehrere Möglichkeiten bieten sich an, die in einer Diskussion abzuwägen sind, um allen Beteiligten gerecht zu werden.
Wir fordern daher die Universitätsleitung dazu auf, in einer gemeinsamen Diskussion mit den Studierenden Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen.

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