WM-Beobachtungen VII: Die Leere abseits des Platzes

Veröffentlicht: 30. Juni 2010 von Lakritzschnecke in Fußball
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Liebe WM-Verfolger,

heute ist ein besonderer Tag. Richtig, heute wurde ein neuer Bundespräsident für Deutschland gewählt, doch eigentlich will ich auf eine andere Besonderheit hinaus: Heute ist der erste Tag dieser Fußball-WM, an dem der Ball ruht. Seit der Eröffnung der Weltmeisterschaft am 11. Juni ist der heutige Mittwoch, 30. Juni, der erste spielfreie Tag. Wir haben 56 Partien hinter uns und noch acht Spiele vor uns, vier Viertelfinals, zwei Halbfinals, ein Spiel um Platz drei und das große Finale, auf das alle Welt hinfiebert.

Wie geht es uns heute? Sind die Augen schon viereckig vom vielen Glotzen? Wie viele Spiele haben wir uns angesehen (zum Vergleich: bei mir sind es ganze 36 Stück)? Wie oft haben wir fassungslos die Hand vor den Kopf geschlagen und versucht, den abermals unfähigen Schiedrichter mit unseren Blicken zu töten, wie oft wollten wir langweilige Partien einfach abschieben, abschalten, Schluss mit lustig? Wie oft wollten wir den Pseudostreithähnen Netzer und Delling eins durch die Mattscheibe verpassen, wie oft Müller-Hohenstein und Kahn gnadenlos für hirnrissige Kommentare abwatschen, wie oft Bela Rethys Kommentare auf lautlos schalten, Waldis WM-Club abdrehen, Blumentopfs wenig kreativem Sprechgesang die gelbe Karte  zeigen, wie oft dem ganzen Fußballwahnsinn in dieser Zeit schlichtweg den Saft abdrehen?

Endlich ein Tag ohne Fußball! Den haben wir uns redlich verdient! Doch halt, was ist das? Macht sich da nicht im kreisrunden, schwarz-rot-gold pochenden Herzen eine erst kleine, unerkannte, dann aber stetig wachsende Leere breit, ein Gefühl, dass etwas nicht stimmen kann, wenn um 16 Uhr der Fernseher nicht läuft, wenn einen Tag lang kein einziger Vuvuzela-Klang ans längst gewöhnte Ohr dringt, wenn nicht der altbekannte „Tooooooor“-Schrei durch die Straßen vibriert? Wie ein Drogensüchtiger an der Nadel hängt der ein oder andere seit Mitte des Monats an der Weltmeisterschaft fest, und insgeheim haben wir schon heute und morgen, an den spielfreien Tagen dieser WM, höllische Angst vor der Zeit danach. Acht spannende Spiele sind noch zu begehen, dann wird das Turnier in Südafrika nicht nur seinen Weltmeister, sondern auch sein Ende gefunden haben. Kein Grund jedoch, in ein tiefes Loch zu fallen: Der Fußball wird nicht sterben, die nächste Weltmeisterschaft (2014 in Brasilien) steht quasi schon vor der Tür, und bis dahin dürfen wir uns auf eine Europameisterschaft (2012 in Polen und der Ukraine) und vor allem auf regelmäßigen Bundesligafußball sowie Champions League, Europa League und so weiter freuen. Und natürlich darüber, dass unser Land ab heute wieder einen Bundespräsidenten hat.

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