Kreiseln

Veröffentlicht: 25. September 2010 von A (di bosco) in Das Leben
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Da, wo ich wohne (da, wo habe ich mundartig bewusst gewählt), da gibt es viele Kreisel. Also ich meine Kreisverkehre oder Kreiseverkehr oder Kreisverkehrs. Kreisel eben.

Dies führt mich zu zwei Überlegungen völlig verschiedener Art. Die eine ist sprachlich und hat sich durch die Beschäftigung mit der anderen Überlegung und den Versuch diese zu versprachlichen ergeben. Die andere, die Grundüberlegung ist ökonomisch-nachhaltig-ökologisch-moralischer Art.

Zirkulationswege

Kommen wir zunächst zu dem Initiationsgedanken. Als ich eines Tages mit dem Auto eine bestimmte Strecke von Stadt B nach Dorf M entlangzirkelte und den siebten Kreisverkehr (ja, es waren genau sieben) innerhalb von zehn Kilometern (diese Zahl ist ein Näherungswert, es könnten auch 11,8 Kilometer sein, ich werde sie bei meiner nächsten Fahrt aufs genauste zu bestimmen versuchen) umrundet hatte, kam mir der spontane Gedanke, dass man mal ausrechnen müsste wieviele Kilometer mehr man eigentlich in seinem Leben dank Kreisverkehren auf der Straße verbringt… Es würde bestimmt eine ganz erstaunliche Zahl dabei herauskommen, eine so erstaunlich wie die des „Zahnpastastrangs der Deutschen“, der bis zum Mond reicht. (Dazu höre man  sich eben dieses Lied von Haindling an.) Auf die Frage nach der Streckenzahl folgt dann die Frage, wie viel Zeit man in/mit Kreisverkehren verbringt. Der ökonomische Aspekt ist offensichtlich, mehr Strecke ist auf Dauer mehr Benzin/Diesel. Mehr Zeit in Kreiseln ist gleich weniger Zeit am Arbeitsplatz (es sei denn das Auto ist dein Arbeitsplatz).

„Alles fließt“…

Nun aber zum Haken der Gedanken, der scheinbar logische Fehlschluss, der hier erfolgt ist, denn – man bedenke! – gäbe es die Kreisel nicht, so würde man statt dessen eine Kreuzung vorfinden, müsste an eben jener ab und an anhalten,  gegebenenfalls Vorfahrt von rechts und links achten und so würde dies wahrscheinlich deutlich mehr Zeit und Sprit kosten, als das sich flüssig ein- und auskreiseln.
Dies ist ja auch das Haupt-Argument für den Bau von Kreiseln, der Verkehr bleibt im Fluss, Kreuzungen sind übersichtlicher.  Dem Großteil der Kreisel, die ich von M nach B und umgekehrt durchfahre, schreibe ich dieses Verkehrsflussargument auch liebend gerne zu. Ihr Sinn ist erfüllt. Beim Kleinteil bin ich mir dessen nicht sicher. Da gibt es zum Beispiel den Kreisel, der die Hauptverkehrsstraße mit einem FELDWEG und der Abzweigung zu einem Dorf zusammenführt. Das Dorf ist nicht groß und so oft zweigt dort niemand ab und es kommt auch nicht oft jemand daraus heraus. Ähnlich ein paar Kilometer weiter, gleiche Situation, neues Dorf, neuer Kreisel, ich glaube erst in diesem Jahr gebaut. Hauptverkehrsstraße, wenig befahrene Abzweigung, Feldweg. Diese Kreisel erschließen sich mir nicht.

… auch das Geld und das Gewissen

Warum wurden Sie gebaut? Ich meine, so einen Kreisel zu bauen kostet Geld. Warum dies nicht lieber für etwas SINNVOLLES nutzen? Ich fühle mich irgendwie an diese Geschichten erinnert, in denen Gemeinden eine Ampel an eine Straße bauen, die genau an dieser Stelle alle zehn Jahre einmal überquert wird, nur damit die Gemeinden ihren jährlichen Ausgabesoll erreicht haben und sich im kommenden Jahr nicht vor Kürzungen fürchten müssen. Irrational.

Und noch dazu ethisch eigentlich nicht vertretbar. Beispiel: Ein Kind bekommt von seiner Mutter jeden Tag vier Euro für sein Mittagessen in der Schule. Das Kind hat sich nun aber aufgrund einer pubertären Phase dazu entschlossen in der Schule Vegetarier zu werden und verspeist nun jeden Tag das fleischlose Gericht  für drei Euro. Das Kind teilt dies seiner Mutter natürlich nicht mit, sondern freut sich, da es jeden Tag wieder vier Euro kassiert über einen Euro für Schokoladenzigaretten und  andere Genussmittelchen. Der wichtige Punkt: fast jedes Kind, das so etwas tut, weiß, dass es etwas tut, was es nicht darf, weiß, dass es seine Mutter veräppelt. Man könnte fast schon von Diebstahl sprechen. Eigentlich nicht nur fast. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es man diesen Fall juristisch genau einordnen und bezeichnen kann. (Ist das Unterschlagung?)

Man sieht die Kreisel führen  in tiefste moralisch-morastische Schlammgebiete. Ich wollte das hier nicht so ausufern lassen. Aber egal, jetzt ist es schon ausgeschrieben. Und so kreiseln und kreisen meine Gedanken schier endlos, kommen zu keinem wirklichen Ende, verfahren sich…

Die zweite Überlegung lasse ich daher jetzt  mal dezent unter den Tisch fallen und lasse sie un-diskutiert. Kreisverkehrs oder Kreisverkehre oder eben Kreisel. Alles egal, Sprache ist zur Kommunikation da, deutsche Pluralbildung stößt sowieso des Öfteren an ihre Grenzen, Hauptsache ihr versteht mich. So ein bisschen zumindest, das wäre nett.

Übrigens, zähle ich ALLE Kreisel, die ich theoretisch auf meinem Weg von Stadt B zu Dorf M durchfahren kann, so komme ich auf die sagenhafte Zahl von ELF Kreiseln. Der normale Weg führt mich in der Regel durch SIEBEN, es besteht auch die Möglichkeit eine Strecke mit nur SECHS Kreiseln zu fahren.

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Kommentare
  1. franzi sagt:

    Hehe, wie wahr :D. Neulich kam mir auch der Gedanke, dass es glaub ich keine mögliche strecke gibt von B nach M ohne Kreisverkehr.
    Vielleicht Feldwege?
    Das sollte man dann auch mal austesten und genauer erkunden. Also anstatt das nächsdte mal bei BK zu halten sollten wir vielleicht den Weg ohne Kreisel suchen :D.

    • A (di bosco) sagt:

      Das ist eine gute Idee. Die Suche nach dem Heimweg ohne Verkreiselung.
      Kommt auf unsere to-do-list!
      Vielleicht sollten wir eine neue Regel aufstellen: für jeden neuen to-do-Eintrag einen alten endlich erledigen? :D

  2. eva sagt:

    Die Kreisel machen umweltfreundlichen Überlandverkehr zu spritraubenden Stadtverkehr…

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