B wie Belphegor

Veröffentlicht: 14. November 2010 von Metalcat in Von A-Z durch die Welt der Musik
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Der Belphegor ist ein Dämon aus der jüdisch-christlichen Mythologie, der bereits Jahrtausende alte Wurzeln hat. Ursprünglich geht er auf die moabitische Gottheit Baal Peor („Herr des Berges Peor“) um 700 v. Chr. zurück.

Er gilt als Dämon der Unterwelt und verkörpert das Böse in Reinform – sexuelle Orgien, Völlerei, Nacktheit – und all das sogar mit Frauen! ;) Außerdem steht er für die Trägheit, mit der all die Laster genusssüchtig hingenommen werden.

Der Belphegor ist Ekel und Unzucht im weitesten Sinne – und so ist auch sein musikalischer Zwillingsbruder:

Die österreichische Metalband „Belphegor“ ist fies und gemein, ekelerregend und schauderhaft ehrlich. Seit 1993 sind Körperöffnungen und Exkremente für sie Thema, wie für ihr namentliches Vorbild: Bei Live-Konzerten ist die Bühne voller Blut, ebenso wie die Musiker selbst. Stahlketten oder seltsam-anrüchige Tierplastiken begleiten ihren Auftritt.

Belphegor glorifizieren den Ekel. Sie besingen die Abgründe des Menschen als absoluter Teil der Normalität. Das mag große Verwirrung und Abneigung stiften, doch ebenso wenig, wie manch einer christliche Warnungen vor sexueller Lust und Genussstreben bedrohlich ernst nimmt, sollte man die Texte und Darbietungen der Band wörtlich nehmen. Songtitel wie „Sexdictator Lucifer“, „Bleeding Salvation“ oder „Hail the New Flesh“ bezeugen den artistisch-kritischen Umgang mit gesellschaftlich-religiösen Verbotsschildern auf groteske und „fleischliche“ Art und Weise.
Außerdem: Wer Gestik und Mimik des Frontsängers Helmuth Lehner bei Live-Auftritten oder in einigen ihrer Musikvideos genau betrachtet, wird einen gewissen Irrsinn, Komik und Ernstlosigkeit erkennen… ;)

Die „InCARNation“, also „Fleischwerdung“, ihrer Anti-Moral zeigt sich am besten und auf beeindruckende Weise in ihrem musikalischen Können:

Ihre Musik ist hart und rücksichtslos. Ihre Gitarrenriffs sind schnell und klar, so wie die Drums, die häufig Thrash-Elemente aufweisen. Aus ihrer Anfangsphase als „Betrayer“ (1991-1993) zeigen sie heute noch regelmäßig große Anteile von Thrash-Metal-Musik. Geschickt, mit hartem Growl-Gesang und –man mag es kaum glauben- zeitweise melodiösen Gitarrenläufen, verbinden sie diese Stilrichtung mit dem Death-Metal.  Doch das allein reicht nicht, um die Integrität dieser Band zu erkunden:
Wikipedia beschreibt den Stil Belphegors als eine Mischung aus Death- und Black-Metal, was mich leicht irritiert zurückließ. Zwar stammen beide Subgenres vom Thrash-Metal ab, doch im Grunde gehen diese zwei Strömungen was die musikalische Ausdeutung und textliche Darbietung betrifft in verschiedene Richtungen.

Genau betrachtet lässt sich aber sagen: Belphegor haben für den Black Metal nicht ungewöhnliche satanische und auf den Tod bezogene Texte. Auch ihre pervertierende Selbstdarstellung und die größtenteils a-melodiösen, thrashigen Musikpassagen zeigen die deutliche Möglichkeit der Zuordnung Belphegors zum Black Metal. Immer wieder kehrende Scream-Anteile im Gesang deuten auch auf eine Black-Metal-Affinität hin.

Gleichzeitig spielt die Band stellenweise mit viel Rhythmik und Melodiosität. Auch die Gesangspassagen zeigen eine gewisse Melodik, in der sich das Growlen, als gesangliche Basis, zwischen mitteltiefen und relativ hohen Tönen bewegt. Diese musikalischen Anteile ordnen Belphegor dem Death-Metal zu, ebenso wie häufige, sehr klare Gitarrenriffs mit hohen Tonfolgen.

So gesehen kann man Wiki zustimmen: Belphegor sind abartig-melodiös und disharmonisch-tragisch. Vielleicht einer der effektivsten Wege, die menschlichen Abwege in der musikalischen Kunstform „Metal“ zum Ausdruck zu bringen!

Die Abartigkeit ihrer Vorstellungen, die Güte ihres musikalischen Könnens sowie ihre groteske Boshaftigkeit sind eine gewagte Rezeption Wert! Belphegor sind jedoch nichts für Weicheier oder Metal-Einsteiger und bestimmt nichts für ruhige Sonntagnachmittage!
Wer aber ehrlich zu den Tiefen seiner Seele und denen der ganzen Menschheit sein möchte und bisher kein adäquates Mittel gefunden hat, seinen Hass in Form übertriebener Leidenschaft heraus zu lassen- dem sei der musikalisch-artifizierte Ekel Belphegors zu empfehlen!

Denn in jedem von uns haust ein – kleiner oder großer – Dämon… ;)

 

Anspieltipps: ‚Hell’s Ambassador‘ , ‚Bondage Goat Zombie‘

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Kommentare
  1. A (di bosco) sagt:

    Danke für diesen ersten, sehr, sehr informativen Artikel. Bin jetzt wirklich schlauer. :)
    Aber ob ich die Band mag, weiß ich noch nicht… Mal warten bis der ruhige Sonntag vorbei ist und dann mal anhören. ;)

  2. Metalcat sagt:

    dankeschön, ani! :) klingt gut!
    der sonntag ist vorbei- und hast du schonmal reingehört?
    kann mir gut vorstellen, dass die band nichts für dich is.. ;)
    aber das macht nichts. immerhin hat dich mein artikel neugierig gemacht ^^

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