Schallender Wahn – Alben des Jahres 2010

Veröffentlicht: 28. Dezember 2010 von A (di bosco) in Musik
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2010 – was für ein seltsames Jahr. Da sitz ich nun und tue mir sehr schwer, eine TopTen zusammen zu bekommen…. 2009 war es schwer die Masse an Musik auf zehn Alben einzudampfen. Wahrscheinlich habe ich einfach die falsche Musik gehört, habe sozusagen auf die falschen Pferde gesetzt. Die Alben, die ich freudig erwartet habe, haben mich am Ende dann eher kalt gelassen (dazu zählt z.B. Audio Secrecy von Stone Sour, Asylum von Disturbed und Beyond Hell/Above Heaven von Volbeat). Was das heißt: ich werde die Zeit zwischen den Jahren dafür nutzen, andere Jahreslisten anzuschauen und noch ein bisschen Musik von 2010 nachhören. Und: Eine TopTen gibt es von mir diesmal auch nicht. Ich stelle euch hier jetzt sechs TOP Alben vor, die mich durchweg FASZINIERT und BEGEISTERT haben. Danach folgen noch fünf Alben, die ich durchaus auch schön fand und die auf jeden Fall hörenswert sind, die ABER nicht in in meine Top Ten, wenn es sie gäbe, gelangt wären.
Los geht’s:

TOP

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Orphaned Land – The Never Ending Way Of ORWarriOR
VÖ: Januar 2010
Label: Century Media
Producer: Steven Wilson, Orphaned Land
Metal (Oriental, Progressive)

Dieses Jahr gibt es einen Sieger und der ist Orphaned Land mit ihrem  vierten Studioalbum „The Never Ending Way Of ORwarriOR. Ich wurde auf die Gruppe aus Israel aufmerksam, als ich auf der Porcupine-Tree-Website las, dass Steven Wilson mit an dem Albm arbeitete. Das Album zündete nicht sofort, ist inzwischen aber zu einem  Dauerbrenner geworden. Wer harte Musik in Kombination mit eingängigem klaren Gesang mag, sich auch mal über nicht-englische Textpassagen freut und orientalischen Klängen nicht abgeneigt ist, der sollte zugreifen. Auf der Platte wird in Englisch, Hebräisch und Arabisch gesungen. Die Musik, das gesamte Album der Band als Kunstwerk, bezieht sich auf ihre Herkunft aus dem mittleren Osten und ihre Einstellung zu den dort herrschenden Konflikten. Sie bezeichnen ihren Stil selbst als “Jewish Muslim Metal”, vereinen im Artwork die drei großen monotheisitischen, zerstrittenen Religionen friedfertig in einem Bild. In ihrem Forum plädieren Menschen unterschiedlichster Herkunft für Toleranz, haben über die Musik zueinander gefunden. Das Ganze nach dem Motto: „the loudest, heaviest and most controversial music on earth can act as a universal language, bridging between opposites and overcoming all the obstacles that exist in our hearts and minds.“ Na, dann lasst uns das Beste hoffen!

Anspieltipps: „Sapari“, „Vayehi Or“, „The Warrior“

Zum Hören und Schauen:

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These New Puritans – Hidden
VÖ: Januar 2010
Label: Angular/Domino
Art Rock

Also, da sage noch einer Bläser seien altbacken. Ich gebe es zu, dieses Album ging Anfang des Jahres total an mir vorüber. Nachdem diese Platte es allerdings auf Platz 1 der NME-Albumcharts 2010 schaffte, hörte ich doch mal noch rein. Und der Anfang blies mich im wahrsten Sinne des Wortes um. Ein Hoch auf Pink Floyds „Atom Heart Mother“ kam mir da mit dem ersten Lied entgegen. Mit dem zweiten Lied wurde ich dann in eine bombastische Soundtrackartige Musikwelt entführt. Das war’s. „Hidden“ hatte mich auf seiner Seite. Generell: die Bläser , die Trommeln, die Beats allgemein, das Düstere begeistern. Lediglich Lied 4 – „Hologramm“ macht es mir nach wie vor sehr schwer.  Sobald der Sänger  „Shut The Door“ singt, drücke ich auf die Skip-Taste.  Doch der Rest ist ganz meins. „Hidden“ ist noch dazu ein Album, das mit jedem erneuten Hören wächst und von mal zu mal besser wird, einem immer wieder neue Facetten eröffnet.

Anspieltipps: „Time Xone“ zusammen mit „We Want War“

Zum Hören und Schauen:

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Deftones – Diamond Eyes

VÖ: Mai 2010
Label: Reprise, Warner Bros.
Alternative Rock/ Alternative Metal

Seltsamerweise habe ich mich nie intensiver mit den Deftones beschäftigt, warum auch immer. Dies habe ich dieses Jahr geändert. Diamond Eyes war dieses Jahr eigentlich seit Erscheinen dauerhaft in meinem Player zu finden. „Diamond Eyes“ ist eines dieser Alben, die ich ungerne ausschalte, sobald sie einmal laufen.

Anspieltipps: „Beauty School“

Zum Hören und Schauen:

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Caribou – Swim
VÖ: April 2010
Label: City Slang
Electronica

Jedes Jahr entdecke ich auch neue Künstler für mich. So geschehen mit Caribou. Caribou lief mir 2010 erstmalig über den Weg und hat gleich den Weg in den Jahresrückblick gefunden. Ab und zu ist so ein bisschen elektronische Musik einfach vonnöten und passend. Die Melodien von „Swim“ sind sehr eingängig und besitzen auf jeden Fall Ohrwurm-Charakter. Der Song „Found Out“ hat es schließlich nicht umsonst zu einem Ohrwurm-Artikel gebracht.

Anspieltipps: „Odessa“,  „Sun“

Zum Hören und Schauen:

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Interpol – Interpol
VÖ: September 2010
Label: Matador
Post Punk Revival

So, endlich habe ich auch zu Interpol gefunden. Schön dass das gerade mit dem nach sich selbst betiteltem Album passiert ist. Dieses Album ist für mich (um mal einen Vergleich mit vorigem Jahr herstellen zu können) „Editors“ und „Twillight Sad“ in Einem. Warum? Nun, hört euch das Album an. Für mich kommt das Ende immer ein wenig überraschend. Es könnte wegen mir gerne noch ein bisschen länger weiterspielen.

Anspieltipps: „Success“, „Lights“

Zum Hören und Schauen:

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Kings of Leon – Come Around Sundown
VÖ: Oktober 2010
Label: Sony
Alternative Rock

So. Kings Of Leon. Ein schwieriger Fall. Mit „Sex On Fire“ hat das Radio es tatsächlich geschafft, dass mir diese Band auf die Nerven ging. Manchmal ist öffentliche Aufmerksamkeit schwer zu ertragen, wenn man die Band noch in ungehypter Form kannte. Doch mit dem neuen Album habe ich mich wieder mit ihnen versöhnt. Es ist gut anzuhören, ein zusammenpassendes Stück Musik. Das fließt durch. Läuft. Und warum nicht gleich mal mit „The End“ ein Album beginnen?

Anspieltipps: „The End“

Zum Hören und Schauen:

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SCHÖN

– nach Veröffentlichung geordnet –

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Tocotronic – Schall und Wahn
VÖ: Januar 2010
Label: Vertigo
Indie Rock

Diese Lyrics!  „Perversion und Glück!“ Ansonsten ja, ehrlich gesagt, kommt bei mir eher selten Tocotronic-Stimmung auf. Aber ich möchte es nochmal betonen: die Lyrics! Auf Dauer ist mir die Musik von Tocotronic inzwischen zu glatt geworden und gleichförmig, ohne Bombast. Aber ab und an ist das auch genau richtig. Das liegt nur an mir, nicht an Tocotronic und nicht an „Schall und Wahn“. Denn das Album ist gut. Nett. Schön. Bis auf das Cover. Wirklich schön. Vor allem diese Lyrics!

Anspieltipps: „“Im Zweifel für den Zweifel“ („und für die Pubertät!“)

Zm Hören und Schauen:

  • Musikvideo zu „Macht es nicht selbst“ („Was du auch machst, mach es nicht selbst! Auch wenn du dir den Weg verstellst, was du auch machst, sei bitte schlau, meide die Marke Eigenbau. (…) Wer zu viel selber macht, wird schließlich dumm – ausgenommen Selbstbefriedigung.“)

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Get Well Soon – Vexations
VÖ: Januar 2010
Label: City Slang
Folk Rock, Indie

Nette Musik. Super geeignet als Soundtrack (ich spreche aus Erfahrung). Sehr pathisch, tragisch, philosophisch angehaucht und natürlich düster. Kein Wunder, handelt es doch laut Konstatin Gropper unter anderem von Georg Büchner, Seneca, Werner Herzog und Sartre. Wie könnte man da pure Heiterkeit und Frohsinn erwarten? Eben. Orchestral und symphonisch ist das Ganze auch noch und so gehört es sich.

Anspieltipps:  „We are Free“, „5 Steps – 7 Words“

Zum Hören und Schauen:

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Ken – Yes We
VÖ: Februar 2010
Label: Strange Ways/ Indigo
Indie? Krautock??

Dieses Album irritiert mich, ab und an hat es was poppiges, dann krautrockig, mit Synthie, Gelärm und Stille. Schwierig einzuordnen. Zu dieser Platte kam ich über ihren Sänger: Aydo Abay. Das ist der Sänger von Blackmail und da ich diese Gruppe toll fand und finde, dachte ich mir, ich höre mir seine Zweitband ebenfalls mal an. „Yes We“ kann einem auf jeden Fall lange Zugfahrten verkürzen, allerdings bleiben die Lieder nicht für die Ewigkeit im Gedächtnis. Die Songtitel dagegen könnten es schon schaffen: „Women Who Love Men Who Take Drugs To Make Music To Take Drugs To“ und „Quitting Smoking Is Much Easier Than Quitting Talking“ sind in meinen Augen quasi Selbstläufer.

Anspieltipps: „21-21 = 21

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Massive Attack – Heligoland
VÖ: Februar 2010
Label: Virgin
Electronica, Alternative

Keine Ahnung, warum das sonst niemand so sehr mag. MASSIVE ATTACK endlich, mit ihrem neuen Album, hat ja ein bisschen gedauert. Aber irgendwie… ja ich bin ehrlich. Hatte auch schon wieder vergessen, dass es das Album dieses Jahr gegeben hat… Also – hmm – „nett“ trifft’s wohl. Und groovig. Und interessant. Und gut. Ja Himmel, es ist gut. Auf der einen Seite ruhig, verhalten – auf der anderen Seite merkt man, da wird etwas zurückgehalten. So viel scheint hinter dem Gesang zu stecken. OK, ich gebe zu, zu später Stunde können diese Bedachtsamkeit und Flachheit der Stimme auch durchaus schlaffördernd wirken. Ist auch mal schön.

Anspieltipps: „Splitting The Atom“, „Girl I Love You“

Zum Hören und Schauen:

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Gorillaz – Plastic Beach
VÖ: März 2010
Label: Parlophone, Virgin
Alternative HipHop

Gorillaz. Die dürfen alles. Wie ich in einem Artikel las (weiß gerade nicht mehr in welchem): Bei Gorillaz lässt der Rocker sich auf HipHop ein ohne zu murren und der HipHoper findet Rock auf einmal nicht so schlecht. Seit „Clint Eastwood“ sind Gorillaz einfach nur Kult, egal was sie machen – wage ich zu behaupten. Und dann zur Single „Stylo“ auch noch ein Musikvideo mit Bruce Willis aufnehmen – Comic trifft auf Die Hard – kultiger geht’s mit Zeichentrickfiguren eigentlich gar nicht.

Anspieltipps: „Rhinestone Eyes“

Zum Hören und Schauen:

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