Eventualitäten des Todes und wie man ihnen entkommt

Veröffentlicht: 9. Februar 2011 von A (di bosco) in Das Leben
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Kennt ihr das? Den Moment in dem man dem Tod unglaublich nahe kommt. Gefühlt, meine ich natürlich.
Ich hatte so einen letzte Woche. Da radelte ich mit dem Fahrrad an die Uni. Den gleichen Weg wie fast jeden Tag. Meine Routinestrecke. In einer der vielen engen Straßen parkten – wie immer – einige Autos. Ich fuhr natürlich links an diesen Autos vorbei, wie denn sonst auch, ist so üblich in Deutschland. Da kommt ein Auto einer mir nicht mehr bekannten Marke (es war schwarz) vorne um die Ecke geschossen und fährt auf mich zu, ziemlich flott, und ist an mir vorbei. ZIEMLICH dicht. Der Moment war schnell vorbei. Doch mein Hirn registrierte in diesen Sekundenbruchteilen so einiges:

1.       Das war verdammt KNAPP.

2.       Da saß eine fette Tussi, Ü50 hinter dem Steuer, die böse geradeaus gestarrt hatte.

Ja der Blick dieser Frau. Noch heute kommen Hassgefühle in mir hoch, erinnere ich mich daran, ein unglaublich negativer Trigger, diese Nudel. Diese Vettel, die Dicke, mit ihrem stieren Blick und dem Fuß auf dem Gaspedal. Die hat mich nicht gesehen, das sah ich in ihrem Blick. Die war gedanklich woanders, nicht auf der Straße. Wie hätte die geschaut, wenn ihr Spiegel an mir hängen geblieben wäre? Ich will es nicht wissen, aber ihr gerne nachträglich eine watschen. Ihrem Blick zufolge ist der irgendwas über die Leber gelaufen, ich weiß nicht was, vermute aber spontan es hat mit einer misslungenen Pediküre oder ähnlichem zu tun.

Doch diese Bilder der Frau sind heute viel präsenter als sie es damals waren. Damals schossen mir kurz nach dem Nicht-Zusammenprall ganz andere Bilder in den Kopf. Während ich so weiterradelte und mich versuchte von meinem Schock zu erholen, drängte sich mir auf einmal diese schauderhafte Bilderfolge meines eigenen Todes durch Überfahren auf. Es ist nicht von Vorteil wenn man ein der Imagination zugeneigter Mensch ist. Alles lief vor meinem inneren Auge ab, szenenhaft und mit Wiederholung: wie ich vom Rad falle, auf dem Boden aufschlage, meine Füße samt Rad unter das Auto gezogen werde, mein Kopf zerquetscht wird. Wie ich vom Rad falle, auf dem Boden aufschlage…

Das ist nicht schön, kann ich euch sagen. Da hilft es dann kurzfristig auch nichts, dass es sich nur um eine persönliche Projektion handelt. Der Gedanke reicht, die Bilder sind da, der Magen ist flau. Der Tag ist quasi gelaufen. „Das kann ja kein gutes Omen sein. Wer weiß was heute noch kommt.“ , dachte ich mir. „Noch nicht mal in der Uni angekommen und schon ein emotionales Wrack.“ So radelte ich die Straße weiter, in düsteren Visionen und Gedanken versunken.

Und dann sah ich ihn. Keine zwei Minuten nach der wütenden Dicken im Auto. Da steht ein Mann in der Bäckerei, vor dem Tresen, er ist nicht dünn und er hält eine Gitarre in der Hand und spielt. In dem kurzen Moment in dem ich vorbeifahre meine ich zu erkennen, das er dazu auch singt. Die ältere Dame hinter dem Tresen, die auch mir schon Semmeln und Brezen verkauft hat, lacht.

Das hat die wütende Dicke bestimmt nicht gesehen als sie mit ihrer Karre durch die Gassen preschte.

Aber mich und meine Laune hat es an jenem Tag gerettet.

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Kommentare
  1. Metalcat sagt:

    das klingt erschreckend… o_O und imaginär eklig..! *g*
    gut, dass du anschließend noch eine nette begegnung hattest!!

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