Auf den Ball gekommen

Veröffentlicht: 2. Mai 2011 von Lakritzschnecke in Sonstiges

Hallo Welt!

Ich, Lakritzschnecke, habe ein Geständnis zu machen: Ich bin seit einem halben Monat leidenschaftlicher Snooker-Fan. Fan eines Sports, der mir zuvor lange Zeit einfach nur egal war, bei dessen TV-Ausstrahlung ich ohne hinzusehen weiterzappte, eine Nullstelle auf meiner Landkarte der Interessen. Und nun bin ich bekehrt, nun bin ich Snooker-Fan. Aha, wird der ein oder andere nun sagen, Snooker also. Was war noch gleich Snooker?

Snooker, das ist eine Art Billard. Man spielt es auf einem ca. 3,5 x 1,7 Meter großen, mit grünem Tuch bespannten Tisch eins gegen eins, das Spielgerät ist der sogenannte Queue (sprich: Kö). Auf dem Tisch liegen 15 rote Kugeln und sechs „farbige“ (nicht rote), man muss immer abwechselnd eine rote und eine farbige Kugel in einer der sechs Taschen des Tischs versenken, wobei die farbigen Kugeln immer wieder neu auf den Tisch gelegt werden, bis es in die Endphase des Spiels geht. Wenn dann keine roten Kugeln mehr übrig sind, müssen die farbigen Kugeln in einer bestimmten Reihenfolge eingelocht werden, zuletzt die schwarze. Wer dann mehr Punkte erreicht hat, gewinnt das Spiel bzw. den sogenannten Frame.

Soviel zu den Fakten – was Zahlen und Fachbegriffe allerdings nicht verraten, ist die immense Spannung und Energie, die in diesem Sport steckt. Gerade hat John Higgins die Snooker-Weltmeisterschaft gewonnen, liegt in den Armen seiner Familie, weiß ein jubelndes Publikum in Sheffield hinter sich und eine viel größere Fanschar im Internet. Die Minuten, Stunden und Tage zuvor boten den Zuschauern an den Fernsehbildschirmen (Eurosport übertrug einen Großteil der WM live) eine gehaltvolle Mischung aus knisternder Spannung, überschäumenden Emotionen sowie purer Begeisterung und Faszination für das Spiel. Ja, im Fernsehen mag es leicht aussehen, wie geschickt und souverän die Kugeln ihre oft für unmöglich gehaltenen Wege durch andere Kugeln hindurch in die Taschen finden, doch wer einmal vor einem Snooker-Tisch stand oder gar selbst Hand anlegte, weiß, welch Herausforderung in diesem Sport steckt. Die Typen, die auf höchstem Niveau Snooker spielen, sind so interessant wie ihre Leidenschaft: Ob nun Ronnie O´Sullivan, der wie aus einem Gewehr feuernde, lochsichere und grimassenschneidende Mr. Bean des Snooker, Erfolgsprofi und siebenmaliger Weltmeister Stephen Hendry, der mental unendlich starke John Higgins oder Judd Trump, der 21-jährige neue Stern am Snooker-Himmel – ein jeder hat seine Stärken und Schwächen, und doch gelingt es ihnen allen, ihr Publikum zu begeistern. Snooker wird übrigens als „Gentlemens´ Sport“ angesehen, da extreme Fairness und Respekt gegenüber dem Gegner an der Tagesordnung ist, absolute Stille im Saal sowie ein strenger Kleidungsstil am Tisch herrscht (Fliege oder Schleife ist Pflicht!) und manchmal sogar für gelungene Aktionen des Kontrahenten applaudiert wird. Der Matchgedanke kommt dennoch niemals zu kurz: „Snooker“ bedeutet übersetzt „missliche Lage“ (= die zu spielende Kugel kann nicht auf direktem Wege erreicht werden) – und in diese möchte man seinen Gegner stets bringen, wenn man selbst gerade keine Möglichkeit zum Lochen hat.

Auch auf der medialen Seite ist Snooker in Deutschland eine wahre Freude: Während man sich im Fußball über Kandidaten wie Rethy und Reif dauerhaft aufregen könnte, erklärt, wertet und prognostiziert Dauerkommentator Rolf Kalb so treffend und verständlich vor sich hin, dass Einstiegern wie Alteingesessenen garantiert nicht langweilig wird. Und nein, langweilig ist der Sport garantiert nicht – wer einmal ein komplettes Match und vielleicht das ein oder andere Century oder Maximum Break gesehen hat, wird vielleicht wie ich sein Herz an das Spiel mit den Bällen und dem Feuer verlieren.

Wer sich einen Eindruck von richtig gutem Snooker (hier von unser aller Meister, meinem Lieblingsspieler Ronnie O´Sullivan) verschaffen möchte, der sehe sich folgendes Video an:

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