Dredg auf anderen Wegen

Veröffentlicht: 21. Mai 2011 von A (di bosco) in Musik
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Das fünfte Album von Dredg ist draußen. Schon seit dem 29. April. Vielleicht hat sich der ein oder andere schon über die ausbleibende Begeisterung meinerseits gewundert. Nun… ja…

De-Montage des Erwartbaren

Die Frage die sich mir permanent im Zusammenhang mit Chuckles And Mr. Squeezy stellt, ist (wer ist die Tussi?), wie hätte ich dieses Album bewertet, hätte ich nicht gewusst, dass es sich um eine Dredg-Platte handelt. Meine spontane Antwort: Nun, ich hätte das Stück Musik wohl erst gar nicht angehört und wenn, dann während des ersten Liedes sofort wieder ausgeschaltet.

Ja. Der Opener hat mich schockiert. Schockiert mich nach wie vor immer wieder aufs Neue. Genauso das Cover. Und die Promo-Fotos. Die mit den toten Tieren. Obskur widerlich in meinen Augen. Es ist als ob mich das alles anspringt und schreit: DA HAST DU’s, du El Cielo-Fan(atikerin). Das hast du von deinen Erwartungen und vorgefertigten Dredg-Bildern in deinem Kopf! DESTRUCTION! Zerbröckelnde Fan-Träume…

Rückblickend: Stilschwünge

Blicke ich zurück – im wahrsten Sinne des Wortes, so haben El Cielo und Catch Without Arms auch schon rein optisch nicht hintereinander gepasst. Grasgrünes Insektencover versus ledern angehauchtes historisiertes Außengewand. In diesem Sinne dürfte ein Stilumschwund (Freudscher Verschreiber?) rückBLICKEND nicht verwundern. Warum dann diese meine Abneigung gegen Squeezy und Chuckles?
Vielleicht weil Catch Without Arms überzeugte. Und man (ich) bei Chuckles nicht so ganz hinter die Message hinter dem Wechsel kommt. Das Album ist im wahrsten Sinne squeezy-queasy. Und „gechucklet“ hab ich nicht so viel.

Vielleicht ist das ein Versuch?  Die totale Kreativität. Die Rock-Band die sich an der Oberfläche Pop versucht und mit den glatten Spiegelungen uns, den Hörern gar absurde Dinge entgegen wirft – so wie Chuckles (oder ist es Squeezys?) entrücktes Gesicht, das einen vom Cover unbeirrt höhnisch anstiert.

Doch lese ich die aktuelle Visions, deren Interview mit der Band zum Album, so werde ich enttäuscht. Kein Konzept, einfach nur eine Entwicklung, weil sie sich ja auch als Menschen weiter entwickelt haben.
Ja, ich bin enttäuscht. Das ist so das Problem. Leitmotif  begeistert mich, insbesondere Songs wie Yatahaze. Ich liebe, liebe, liebe El Cielo. Und mit Catch Without Arms verbindet mich mehr als nur Musik… The Pariah, the Parrot, The Delusion schaffte es immerhin in meine Jahresbestenliste 2009. Was will man mehr.

Und nun das.

Und ja. Das Album ist ein Widerspruch. Ein Widerspruch zu den alten Dredg-Sachen. Und in mir selbst auch. So sehr ich schockiert bin, so muss ich doch zugeben, der morgendlichen Kaffee (oder wäre eine heiße sämige Milchschokolade nicht besser zu der Musik?) und das gerührte Ei genießen sich langsam aufstehend eigentlich ganz gut zu ein paar Tönen des Albums. Ich habe mich mit Titeln wie Upon Returning und The Tent arrangiert, angenehme Hintergrundmusik. Auch Somebody is laughing hat so eine Stelle, die ich ganz cool finde. Der Anfang von Down without a fight stellt mir dagegen immer wieder die Haare zu Berge: check it out, man they really went down without a fight! Unwillkürlich muss ich hier an ein MashUp denken, ist das aber leider nicht.
Lausche ich bewusst, so gehen mir die meliodiös eingehenden immer wiederkehrenden Schleifen der Lieder des Albums insgesamt auf die Nerven. Lebe ich unbewusst in den Tag, so summe ich mit und kann mich für Stellen wie The thought of loosing you, was never an option in The Thought of Loosing You erwärmen. Gar nicht klar komme ich mit dem Lied Kalathat und kann das Lob anderer Rezensenten über diesen Song nicht nachvollziehen. Nur weil endlich überdeutlich prominent mal wieder eine Gitarre ins Schlaglicht rückt (die sind stark unterrepräsentiert auf Chuckles und Squeezy), kann ich nicht gleich in einen Freudentanz ausbrechen… zu den restlichen Liedern werde ich nun auch keine weiteren Worte verlieren, sie blieben mir einfach nicht wirklich im Gedächtnis…

Pop, Pop – es ist POP!

Wie sieht nun das Resümee aus: nun. Nette Pop-Platte, da gibt es wahrlich schlimmeres Grusel-Geschunkel. Und generell bin ich dem POP, nur weil es POP ist, nicht abgeneigt. Ohne Pop wäre uns Welt langweilig.
Aber wollte ich das? Von Dredg? Nein. Kommt es darauf an, was ICH will: Natürlich nicht.

Vielleicht kommt ja als nächstes die Party-Platte zum Mitgröhlen im Partyzelt. Und was bleibt mir dazu zu sagen außer: schade, ich hätte gern mehr Rock und Härte zurück.

Der einzige Lichtblick: ja ich singe definitiv lieber irgendwann Dredg im Bierzelt als den Holzmichl-Song und auf Dredg im Radio freu ich mich sogar ein bisschen.

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