Legendäres: Led Zeppelins viertes Album

Veröffentlicht: 30. Oktober 2011 von A (di bosco) in Legendäres
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Es ist unglaublich schwer über einen Klassiker zu schreiben. Die Größe scheint einen zu erdrücken, man möchte angemessene Worte finden und ringt mit sich selbst. Der modernen Musik scheinen moderne Okkasionalismen angemessen – doch im Angesicht der Heroen unserer Musik erscheinen sie zu kurzlebig – willkürlich.

Nun habe ich die schwere Aufgabe über das titellose Album Led Zeppelins zu schreiben, über die Band, die die heutige harte Musik, unseren Rock, den Metal, so vieles maßgeblich geprägt hat. Über das Album, aus dem Jahr 1971, das sich selbst nicht benennen wollte und daraufhin zahlreiche Namen erhielt. Led Zeppelin IV, The Hermit, The Symbol, ZoSo… Man muss – um über eine Sache sprechen zu können – ihr einen Namen geben. Das mit der Nicht-Bennenung seines Albums hat Robert Plant wahrlich clever gemacht: Er tat dies genau aus diesem Grund, die Kritiker zu verwirren, zum Schweigen zu nötigen und ihnen das essentiellste, die Musik, vorzuführen.

Und doch sitze nun ich hier und versuche Worte zu formen, rede um das Eigentliche herum. Denn ich möchte über den Stoff reden, welcher das ausdrückt, was unsagbar ist, aber gesagt werden muss. Wo also beginnen? Am besten ganz von vorne:

Ein kurzes Innehalten am Anfang, noch einmal Luft holen. Nur ein paar Sekunden Ruhe zu Beginn des Albums, dann legen Led Zeppelin – so wie wir sie kennen – gleich richtig los. Black Dog ist wahrlich ein räudiger Rocksong, der nicht nur bellt, sondern auch beißt. Das Lied lässt einen nicht los, bindet einen an das Album und markiert so einen unvergesslichen Anfang. Man möchte die (Luft)Gitarre in die Hand nehmen und die eingängigen Riffs mitjammen.

Auch Song Nummer III ist eine wahre Perle: The Battle of Evermore – für mich größer als der Song, der es auf die RollingStone Bestenliste aller Zeiten auf Platz 31 der Rocksongs geschafft hat (Stairway to Heaven). Episch, melodiös, folkig, der Off-Beat macht süchtig und die Gastsängerin Sandy Denny fügt sich stimmlich perfekt an Plants Stimme an. Ich habe lange darüber nachgedacht, was mich so sehr berührt an diesem Lied: nun es sind wohl die Folkeinschläge, die Mandoline, die Akkustiggitarre, dazu Plants und Dennys Dialog-Gesang. (anhören: The Battle of Evermore).

Danach ertönt der bereits erwähnte Klassiker, Stairway to Heaven. Mit den Flöten und in Kombination mit dem vorhergehenden Lied herrscht für mich eine gefühlte Nähe zu einem meiner anderen Klassiker-Lieblinge, aus dem Jahre 1969: King Crimson – In the Court of the Crimson King. Zurück zu der Treppe in den Himmel: nun diesem Lied kann man seine Großartigkeit in nichts absprechen. Tragisch, weich, schleicht es sich ins Herz, setzt sich fest, macht einen zuhörend. Das erst zur Hälfte das Schlagzeug einsetzt unterstützt die Wirkung eines anschwellenden, immer größer werdenden Gefühls von… nun „Unsagbarkeit“! Was bleibt einem bei den instrumentalen Solo-Stücken anderes übrig als zuzuhören, zu schwelgen und zu denken: die haben noch richtig Musik gemacht, aus Gefühl, aus dem Blut heraus, aus sich heraus. Da könnten sich andere was abhören.

Der Übergang von Lied IV auf Lied V erklärt sich mir nur im Zusammenhang der Schallplatte. Direkt aufeinander folgend finde ich den Übergang eher unerträglich und verheerend. Die in Stairway of Heaven aufgebaute Spannung ist auf einen Schlag wie weggepustet. Schade. Aber, leider kann ich die Vinyl-Wirkung im Moment wegen fehlender Technik nicht nachvollziehen.

Generell stellt die zweite Hälfte des Albums für mich eher die schwächere dar, welche dann aber mit „When the Levee Breaks“ zumindest zum Schluss noch einmal richtig reinknallt. Na, da weiß man eindeutig wo BRMC sich bedient haben. Wenn das nicht der BluesRock in seiner Urform ist… Und wenn man dazu nicht mit offenen Verdeck über weite (amerikanische), leere (!) Landstraßen fahren kann, zu welchem Lied denn dann? (Falls ihr euch gefragt habt, WAS euch an dem Trailer von SUCKER PUNCH gefällt – die Optik ist überdreht, es scheint keine Stories zu geben, und Emily Browning läuft als wasserstoffblondes Barbiepüppchen mit Pseudo-Asia-Stil in Schuluniform herum – es wird dieses Lied sein und nichts anderes!)

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Kommentare
  1. taktgefuehle sagt:

    Ich musste gerade daran denken, wie ich in meinem Kinderzimmer die Kassette mit „Stairway to Heaven“ ins Nirvana gedreht habe; 8 Minuten abspielen und ungefaehr genauso lange zurueckspulen :)

  2. Justin sagt:

    Hallo, ich bin mal so frei und schreibe mal was in deinen Blog. Sieht schnieke aus! Ich nutze seit kurzem auch WordPress einige Dinge verstehe ich aber noch nicht so ganz. Dein Blog ist mir da immer eine grosse Anregung. Weitermachen!

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