Gegenstände des Alltags: Die Stecknadel

Veröffentlicht: 1. Dezember 2011 von A (di bosco) in Gegenstände des Alltags
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Seit Wochen bin ich auf der Jagd nach ihr, der Stecknadel.

Das Problem: meine Rauhfasertapete möchte nicht mit ordinärem Tesafilm belangt werden. Die Trennung würde gar zu große Wunden hinterlassen. Daheimgebliebene werden das Problem nicht sehen, denn die Stecknadel ist im normalen familiären Haushalt zuhauf zu finden – ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen Menschen noch wussten sich eigenständig zu bekleiden. Man findet sie dort meist im Nadelkissen, ab und an im Heuhaufen; mein studentischer Haushalt allerdings ist bar von Stecknadeln und meine schlichten unauffälligen Pinnwand-Reißzwecken (am liebsten die silbernen aus Stahl, gefolgt von denen mit dem schwarzen Kopf) sind auch schon aufgebraucht (wer möchte schon auf dem schwarz-weißen Wandschmuck rosa-rote Reißzweckköpfe prangen haben?).

Nun, im gängigen schwedischen Möbelhaus war ich schon. Aber Stecknadeln sind ja auch keine Möbel, was erwarte ich (zugegeben, mich trieb es ja auch nicht wegen der Stecknadel dorthin). Nur weil’s auf dem Weg lag, fragte ich auch im Baumarkt nach, dieser verwies mich auf den Kaufmarkt. Der Kaufmarkt, in diesem Falle genannt Kaufhof, führt allerdings schon seit einer Mehrzahl an Jahren keine „Kurzwaren“ mehr, wie mir ein freundlicher Mitarbeiter mitteilte. Und ja, die Stecknadel, auch wenn sie sich eher als länglicher Gegenstand darstellt, ist eine Kurzware.
Mein Fehler ist offensichtlich: warum nach dem Kleinen im Großen suchen? Endlich mal ein Produkt – seufzt das vom globalen Kaufrausch gestresste Herz – dass man noch am besten dort bekommt, wo es herkommt und ursprünglich gebraucht wurde: im Nähfachgeschäft oder Ähnlichem.

Doch leider kann auch hier das Internet desillusionieren. Die Stecknadel ist auch bei einem bekannten Großversandhandel erhältlich. Um mir die Versandkosten zu sparen müsste ich allerdings 300 Gramm Stecknadeln kaufen oder ein Buch dazu nehmen (ich hege eine Abneigung gegen Versandkosten, diese müsste allerdings an anderer Stelle einmal näher beleuchtet werden).

All dies (mein) Geschachere und Theater um die Stecknadel führt mich dann letztendlich zu Manufactum. Denn dort gibt es wunderschön, einfache Stahlstecknadeln, „Schweizer Qualitätsprodukt seit den 1930er Jahren“. Zugegeben der Preis erscheint aus studentischer Sicht zu hoch, vergleicht man ihn mit dem Preis der einfachen Stecknadel im herrkömmlichen Geschäft oder beim globalen Versandhaus. Aber ab und an will man sich halt auch als Student mal was gönnen. Und sei es auch nur mal eine Dose Stecknadeln. Rechtfertigen könnte ich den Kauf auch noch in zweierlei Hinsicht: Die Tellschen extra fein vernickelten Stahlstecknadeln entsprechen nicht nur meinem ästhetischen Empfinden (und als Extra: die Dose ist auch noch schön), mit den etwa 690 Stück sollte ich auch in Bezug auf die Beposterungswünsche an Rauhfasertapeten in meinem Leben hoffentlich ausgesorgt haben.

>>>>>>>> aktueller Nachtrag:

Nur weil’s zufällig auf dem Weg lag: es wurde doch die Stecknadel aus dem Stoff- und Nähbedarf. Netter kleiner Laden, nette Dame, die ihre Kundschaft des Tages bestimmt an beiden Händen abzählen konnte. Um die Manufactum-Dose tut’s mir aufrichtig leid, die kommt auf den Wunschzettel…

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Kommentare
  1. Eva sagt:

    hätte welche in der Handtasche gehabt- aber dann gäbe es diesen Artikel zum Schmunzeln nicht.

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