Ohrwurm des Tages: Depeche Mode: „Never let me down again“ Split Mix und Aggro Mix (1987)

Veröffentlicht: 21. März 2012 von felix in Ohrwurm des Tages
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Die Sonne scheint, der Frühling kommt und in einem steigen wieder Energie und Tatendrang. Und genau passend dazu hämmert sich seit 2 Tagen wieder einer meiner liebsten Ohrwürmer in meine Gehörgänge. Gleichzeitig gehört diese Platte zu meinen ganz persönlichen „All-Time-Favorites“, seit nunmehr fast 20 Jahren. Kinder wie die Zeit vergeht.

„Never let me down again“ aus dem Album „Music for the Masses“ (1987) dürfte mit zu den bekanntesten Nummern von DM zählen und ist längst zur heimlichen Hymne der Band avanciert. Legendär, der berühmte Auftritt Nummer 101 der damaligen Tour in der Pasadena Rose Bowl, als etwa 60 500 Fans plötzlich anfingen im Takt synchron mit den Armen zu winken und Dave Gahan das ganze überwältigt von der Bühne aus betrachtete (manche Quellen sprechen von 70 000 oder gar 80 000 Fans, ich folg hier einfach mal Wiki).“Never let me down again“ gehört mittlerweile zu den garantierten Zugaben bei jeden Konzert, wenn die Stimmung auf dem Höhepunkt ist und das Winken wurde zum festen Ritual.

Nach ihrer „Industrial-Phase“ (Some Great Reward, 1984) und dem Ausloten der finstersten Tiefen (Black Celebration, 1986), präsentierte sich „Music for the Masses“ tatsächlich gefälliger, runder und massentauglicher. Das soll jetzt meinerseits gar nicht unbedingt eine Wertung darstellen. Zusammen mit „Music for the Masses“ und „Songs of Faith and Devotion“ (1993) gehört „Some Great Reward“ ebenfalls zu meinen liebsten DM Platten. Bis einschließlich „Songs of Faith and Devotion“ lässt sich auf jedem der Vorgängeralben eine signifikante Weiterentwicklung im Sound beobachten. Das macht diese älteren Alben für mich auch besonders interessant.

Entsprechend hat aber auch jede Phase ihre ganz eigenen Fans. So gibt es bestimmt Liebhaber der Industrial-Phase, die „Never let me down again“ für vergleichsweise glattpoliert und kommerzialisiert halten, andere sehen die Band bei „I feel you“ auf dem Höhepunkt ihres Schaffens und es gibt immer noch genügend, für die die „Vince-Clark-Depeche-Mode“ mit „Speak and Spell“ das einzig wahre sind. Wie gesagt: Viele Facetten, viel Platz zum Ankern und im Prinzip hat jeder recht, so lange es um Geschmack geht und keine Fights entstehen.


Jetzt aber endlich zu der Nummer. In diesem Fall die Maxi, also der sogenannte „Split Mix“ bzw. für die meisten wahrscheinlich einfach die „Volle Version“.

Ein Klang wie ein synthetisches Orchester mit Chor eröffnet das Ganze und intoniert die markante, kreisende Vier-Ton-Folge, die sich während des ganzen Stückes immer wieder vernehmen lässt. Mal dunkel, mächtig, empordrängend während des Refrains und bei der Einleitung des Finales, im Finale dann wieder gewaltig und ekstatisch. Es wird sofort klar, hier werden keine kleinen Brötchen gebacken, hier gilt „Full Power“. Die Gitarre setzt zu einem kleinen aber markanten Zwei-Noten-Riff an (der eigentliche Beginn auf dem Album), eine Tonfolge, die ebenfalls während des ganzen Stückes wiederkehrt, und jetzt kracht das Schlagzeug los und gibt einen stetig gleichen, kräftig laufenden Rhythmus vor, der sich bis zum Ende durch das ganze Stück zieht. Etwas, das die Ohrwurmeigenschaften einer Platte bei mir ganz erheblich verstärkt. Aus diesem überaus stark betonten Beat schöpft „Never let me down again“ meiner Meinung nach eine ganze Menge seiner Kraft.

Synthetische- und Pianoklänge, unterlegt von langgezogenen elektronischen Bass-Strecken, schaffen dazu einen satten Soundteppich auf dem Gahan selbst, entsprechend dem Zwei-Noten-Riff seine Strophen singt. „I’m takin a ride with my best friend…“ Das Stück läuft hier stetig stampfend, wie eine Maschine, um einen dann im Refrain im wahrsten Sinn des Wortes zu einem Flug über die Wolken mitzureißen. Gore übernimmt die zweite Stimme. „We’re flying high, we’re watching the world pass us by…“. In meinem Kopf entstehen Bilder von abendlich rot erleuchteten Kumuluswolken die an mir vorbeiziehen, unter mir der gekrümmte Horizont der Welt, alles riesig, endlos und weit.

Nach einer weiteren Strophe mündet der Refrain ins (erste) Finale und auf dem Album ist der Spaß damit auch schon vorüber. Auf der Maxi ist an dieser Stelle gerade mal die Hälfte der Nummer erreicht und es folgt der Mittelteil, den ich als Laie vielleicht (mit Bezug auf Wikipedia) den „EBM-Teil“ nennen will.

Der Beat stoppt und der Chor und das synthetische Orchester klingen langsam aus, die Synthies deuten eine Pause an. Kaum sind sie verklungen, setzt das Schlagzeug wieder ein, zunächst fast alleine und so noch dominanter im Vordergrund. Noch sparsame elektrische Klänge leiten dazu den zweiten Teil ein. Plötzlich blitzt das Riff elektronisch verfremdet laut auf (auf der Platte viel deutlicher als auf Tube), um dann von der Gitarre wiederholt zu werden. Sodann setzt eine unruhig blubbernde Bass-Tonfolge ein, die ihrerseits wieder kreist und sich ständig wiederholt. Das ganze bildet eine hypnotische Loop-Struktur – ebenfalls etwas, bei dem mein Ohrwurm-Hirn die Tore ganz weit aufreißt. Dazu wiederholt sich zudem eine neue Reihe von acht dunklen Tönen, einen Schritt nach oben, drei nach unten, wieder und wieder. Ab und zu schießt ein Sound-Blitz über einen hinweg. Das geht gefühlt Minuten lang und man kann wunderbar in der ganzen Monotonie versinken.

In der Disco, wenn „Never let me down again“ in der ihm gebührenen Lautstärke läuft, blend ich an dieser Stelle gern, wenn es irgend geht, die ganze Umgebung aus und lass mich nur noch von dieser stampfenden Regelmäßigkeit durchströmen – wenn alles ideal läuft, kann das ein beinahe trance-artiger Zustand werden. Um so besser, denn nach einiger Zeit baut sich wieder das Finale auf, diesmal instrumental, und wenn man dabei ganz der Musik geöffnet ist und quasi darin schwimmt, wirkt es doppelt und dreifach.

Noch einmal heben sich die düster mächtigen Sytheseizer-Wolken und zeichnen die kreisende Tonfolge des Finales vorab, noch einmal explodiert alles in den Chor, Gahan wiederholt sein tragisches „Never let me down.“ und Gore setzt sein tröstliches „See the stars they’re shining bright. Everything’s alright tonight“ dazu in Kontrast. Ein geradezu klassisches Finale, das mir dann in meiner Euphorie immer viel zu kurz erscheint. Es soll weiterlaufen, weiter kreisen. Wenn der Song dann leider doch endet, muss ich im wahrsten Sinn des Wortes erst mal wieder runterkommen.

Man merkt, „Never let me down again“ ist eine kleine Geheimwaffe. Es gibt keine andere Platte zu der es so leicht ist, mich auf die Tanzfläche zu bringen. In der Hinsicht fühl ich auch mit dem Typen, der im Split-Mix-Musikvideo Daves Schuhe anzieht und dann während des Finales abgeht (oder abgehen muss?) wie ein Schnitzel.

In diesem Sinne: Ein würdiger Ohrwurm, der meinen inneren Powerregler jedes Mal wieder nach oben schiebt.

Hier ist noch das Video. Weiter oben war mir dann doch die Soundqualität wichtiger. Außerdem kann ich Vids von Dailymotion hier nicht so schön einbetten ;)

http://www.dailymotion.com/embed/video/x9d5cc
Depeche Mode – Never Let Me Down Again (12“… von Dmode59

Aggro Mix

Als kleiner Zusatz sei hier noch der wirklich coole Aggro-Mix von der Rückseite der Maxi erwähnt, der auf dem „EBM-Teil“ des Split Mix basiert und diesen zu einer eigenständigen wunderschön düsteren und kraftvollen Nummer ausbaut.

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Kommentare
  1. A (di bosco) sagt:

    Bezaubernder Ohrwurm :) Mit dem Aggro-Mix muss ich mich aber erst noch anfreunden… ;)

  2. tronique sagt:

    Ich liebe diese orange Scheibe. ;-)

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