Archiv für die Kategorie ‘Das Leben’

Gedanklicher Auszug

Veröffentlicht: 3. Dezember 2012 von Lakritzschnecke in Das Leben

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(Juli 2011. München.)

Dreißig tote Füße trampeln über das, was mal mein Boden werden soll, vielleicht, denke ich, bevor ich tief Luft hole und laut schreien möchte. Wo ein Wille, da ein Weg, doch ihr werft feste Einkommen und Zuverlässigkeit in die Waagschale, wo ich nicht mal mit einem Lächeln und mir selbst punkten kann. Der Haifisch in euren Gesichtern, in denen auch zu lesen steht, dass ihr euch konkurrenzlos wähnt.

Schienen und zweieinhalb Stunden. Gleise, Leben, endlich ankommen wollen und die Hürden, die sich jetzt noch auftun, überspringen mit lahmendem Fuß, ich gehe nicht mehr. Wohnungsknappheit. Umzugsstress. Finanzielles. Ich sehe nun mehr.

Nimm mir meinen Namen und schließe mich ein, ich will doch nur wohnen. Will wohnen, wie ein Mensch in der Stadt, ich will doch nicht viel. Will ich zu viel? Malte ich mir den Wunschtraum zu bunt aus, hätte ein schwarz-weißer Lebensentwurf vielleicht besser getan? Ratlos. Das fragende Gesicht, die stumpfen Zähne. Die Fensterscheiben weinen wieder und fahren zurück.

Die Suche hat erst begonnen.

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(Später)

Wozu wohnen, wenn man auch leben kann? Die Erkenntnis trifft mich unvorbereitet, doch ich gewähre ihr Raum. Seitdem lebe ich auf den Straßen.

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Eventualitäten des Todes und wie man ihnen entkommt

Veröffentlicht: 9. Februar 2011 von A (di bosco) in Das Leben
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Kennt ihr das? Den Moment in dem man dem Tod unglaublich nahe kommt. Gefühlt, meine ich natürlich.
Ich hatte so einen letzte Woche. Da radelte ich mit dem Fahrrad an die Uni. Den gleichen Weg wie fast jeden Tag. Meine Routinestrecke. In einer der vielen engen Straßen parkten – wie immer – einige Autos. Ich fuhr natürlich links an diesen Autos vorbei, wie denn sonst auch, ist so üblich in Deutschland. Da kommt ein Auto einer mir nicht mehr bekannten Marke (es war schwarz) vorne um die Ecke geschossen und fährt auf mich zu, ziemlich flott, und ist an mir vorbei. ZIEMLICH dicht. Der Moment war schnell vorbei. Doch mein Hirn registrierte in diesen Sekundenbruchteilen so einiges:

1.       Das war verdammt KNAPP.

2.       Da saß eine fette Tussi, Ü50 hinter dem Steuer, die böse geradeaus gestarrt hatte.

Ja der Blick dieser Frau. Noch heute kommen Hassgefühle in mir hoch, erinnere ich mich daran, ein unglaublich negativer Trigger, diese Nudel. Diese Vettel, die Dicke, mit ihrem stieren Blick und dem Fuß auf dem Gaspedal. Die hat mich nicht gesehen, das sah ich in ihrem Blick. (mehr …)

Weihnachten oder das Bedürfnis sich mitzuteilen

Veröffentlicht: 6. Dezember 2010 von Ginger in Das Leben

Eigentlich wollte ich heute vor der Uni nur kurz in den Asia-Shop und ne Flasche Sake kaufen, vielleicht noch ein paar Mung-Nudeln, aber dann kam alles ganz anders.

Ich fasse ins Regal und hab die Nudeln schon in der Hand, weil die Besitzerin des Ladens, eine freundliche junge Thailänderin, aber gerade in der Nähe ist frage ich Sie, ob Sie auch Shirataki Nudeln führt – leider nicht. Wir reden ein wenig über Nudeln, dann über ihren Laden und wie sie zu dem gekommen ist. Schließlich landen wir beim Thema Einrichtigung und Feng Shui und dabei, dass man in Geschäften in Asien die Spiegel meistens mit Ausrichtung zum Schaufenster anbringt, um Negatives nach Draußen abzuleiten. Ich halte die zerbrechlichen Nudeln vorsichtig in der Hand, während Sie mit mir spricht. Eigentlich wollte ich ja nur noch Sake kaufen und dann weiter – aber sie ist so in Erinnerungen versunken und auf das Finden der richtigen deutschen Wörter konzentriert, dass sie gar nicht merkt wie ungeduldig ich werde. Natürlich könnte ich Sie einfach unterbrechen und sagen „Tut mir leid, aber ich muss weiter“ – aber irgendwie erscheint mir das im Moment unhöflich und ich lasse sie weitererzählen. Nachdem ich ihr ein paar Tipps zur Laden-Einrichtung gegeben habe, da Sie über Platzmangel jammerte, kommen wir – oder besser Sie – auf das Thema Partner und Beziehungen. Wenn ich jetzt nicht gehe, stehe ich hier noch mindestens 1h und hab immer noch nur die blöden Mung-Nudeln in der Hand. Irgendwie schaffe ich es wieder nicht mich zu rühren. Ich stelle mir vor, dass Sie das genau merkt und die Situation ausnutzt um sich alles Mögliche von der Seele zu reden. Was soll ich sagen, nach weiteren 30Min in dem kleinen Geschäft weiß ich alles über diese Frau. Woher Sie kommt, warum Sie in Deutschland ist, wann Sie geheiratet hat, warum Sie diesen Mann nicht liebt, weshalb Sie sich getrennt haben, dass Sie einen neuen Mann kennen gelernt hat, die große Liebe aber immer noch nicht gefunden hat. Es ist schon merkwürdig. Nach 1h schaffe ich es dann endlich zu sagen, dass ich weiter muss, renne hastig zum Sake-Regal und greife nach der ersten Flasche.  Sie scheint etwas verlegten aber verständnisvoll und wartet hinter der Kasse auf mich. Während ich bezahle formuliert Sie ein Resumée über das Lebens – wovon sie aber selber nicht ganz überzeugt scheint und ich muss plötzlich an Glückskekse denken.

Mir ist irgendwie schwummrig. Ich verabschiede mich freundlich und stapfe in den Schnee hinaus, atme die kalte Luft ein die mir richtig gut tut. Doch bevor ich die Ladentüre schließe, kommt Sie  in einem Satz hinter der Kasse hervorgesprungen und ruft mir verlegen ein Entschuldigung für die gestohlene Zeit hinterher.  Ich weiß nicht, ob ich verärgert sein soll, oder nicht. Schließlich entscheide ich mich dafür, dass „verärgert sein“ total sinnlos ist, bleibe neutral und mache meinen Sake auf. Bis zur VL schaffe ich es bestimmt noch rechtzeitig.

Ablauf einer gelungenen Party

Veröffentlicht: 25. September 2010 von A (di bosco) in Das Leben
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Bruchstücke einer Party

1. Die Anreise

Bevorzugtes Transportmittel: die öffentlichen Verkehrsmittel.
MERKE: Eine angebrochene Weinflasche in Zug und U-Bahn zu einer Party zu transportieren, kann böse enden. Zum Beispiel kann der Korken der Weinflasche im Zug irgendwie verloren gehen. Wenn dann aufgrund eines GDL-Streiks und eines gleichzeitig stattfindendem Groß-Events, wie zum Beispiel in München der Wiesn, die U-Bahn hoffnungslos überfüllt ist, so kann es leicht vorkommen, dass im Gedränge und Kampf um einen Stehplatz, die Offenheit der Flasche in Vergessenheit gerät und man beim zu schnellen und schwungvollen Aussteigen aus der Bahn den Inhalt der Flasche sowohl über die beige Stoffjacke als auch die gesamte Hose befördert.  Hat es während der U-Bahnfahrt noch dazu draußen an der Oberfläche zu regnen begonnen, sollte man seinen Schirm aufspannen. Hat man keinen so kann man bei Ankunft, durchnässt von Regen und Rotwein, durchaus von einer erfolgreichen Anreise reden.

2. Mitbringsel

Immer gern gesehen: Bier. Bei Geburtstagspartys könnte ein Geburtstagspräsent nett sein.  Hier immer wieder eine gute Idee: der Geburtstagskuchen. Zusätzliche, nicht eingeladene Gäste (mehr …)

Kreiseln

Veröffentlicht: 25. September 2010 von A (di bosco) in Das Leben
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Da, wo ich wohne (da, wo habe ich mundartig bewusst gewählt), da gibt es viele Kreisel. Also ich meine Kreisverkehre oder Kreiseverkehr oder Kreisverkehrs. Kreisel eben.

Dies führt mich zu zwei Überlegungen völlig verschiedener Art. Die eine ist sprachlich und hat sich durch die Beschäftigung mit der anderen Überlegung und den Versuch diese zu versprachlichen ergeben. Die andere, die Grundüberlegung ist ökonomisch-nachhaltig-ökologisch-moralischer Art.

Zirkulationswege

Kommen wir zunächst zu dem Initiationsgedanken. Als ich eines Tages mit dem Auto eine bestimmte Strecke von Stadt B nach Dorf M entlangzirkelte und den siebten Kreisverkehr (ja, es waren genau sieben) innerhalb von zehn Kilometern (diese Zahl ist ein Näherungswert, es könnten auch 11,8 Kilometer sein, ich werde sie bei meiner nächsten Fahrt aufs genauste zu bestimmen versuchen) umrundet hatte, kam mir der spontane Gedanke, dass man mal ausrechnen müsste wieviele Kilometer mehr man eigentlich in seinem Leben dank Kreisverkehren auf der Straße verbringt… Es würde bestimmt eine ganz erstaunliche Zahl dabei herauskommen, eine so erstaunlich wie (mehr …)

Ich und die Bahn

Veröffentlicht: 15. September 2010 von A (di bosco) in Das Leben
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Erst in meinem letzten Artikel ging es um die Bahn und die Freuden, die mir die neuen Abteile bereiten.

Auf der Reise...

Denke ich über mein Leben nach, so ist es, seit ich Student bin, eng mit der Deutschen Bahn verbunden. Ich bin zwar keine PendlerIn (mehr!), aber doch denke ich, dass ich mich als rege Bahn-Nutzerin bezeichnen darf. Und ich muss sagen, wenn ich so darüber nachdenke, so gibt es einige kuriose Dinge die mir in der Bahn oder eher auf sogenannten Bahnreisen zugestoßen sind. Ja, eigentlich gibt es viele Erinnerungen, die ich mit der Bahn verbinde.

Dazu gehören Geschichten, die entweder mit kuriosen Gepäckstücken zu tun haben, Verspätungen oder auch zu frühes Ankommen spielen des öfteren eine entscheidende Rolle, manchmal sind es auch einfach nur die seltsamen Fahrgäste der Bahn. Oftmals wird Bahn-Reisen zu einer wahren Odysee (erst in diesem Jahr erlebt, dank Streik der französischen Bahn kam ich in den Genuß, des Nachts den Mannheimer Bahnhof zusammen mit ich denke über 100 anderen Fahrgästen von außen zu betrachten… doch das ist eine andere Geschichte…).

Manchmal geht es eigentlich auch gar nicht um die Bahn im Speziellen. Denke ich an mein letztes Erlebnis, so setzt sich dies zusammen aus einer Verkettung von (Reise-)Ereignissen.

Passaus öffentliche Verkehrsmittel und ihr grandioser Ferienfahrplan

Eigentlich fängt das Ganze mit meiner Erkältung an. Wegen eben dieser entschied ich mich am Morgen jenen Tages, von dem ich nun berichten werde, nicht wie geplant den 10:23 Zug zu nehmen, sondern den 12:25 Zug. So blieb mir Zeit heilende Tees für die Bahnfahrt zuzubereiten und noch andere Dinge zu erledigen. Doch damit begann eine Verzögerung, die nicht mehr aufzuhalten war. (mehr …)