Archiv für die Kategorie ‘Gegenstände des Alltags’

Seit Wochen bin ich auf der Jagd nach ihr, der Stecknadel.

Das Problem: meine Rauhfasertapete möchte nicht mit ordinärem Tesafilm belangt werden. Die Trennung würde gar zu große Wunden hinterlassen. Daheimgebliebene werden das Problem nicht sehen, denn die Stecknadel ist im normalen familiären Haushalt zuhauf zu finden – ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen Menschen noch (mehr …)

Advertisements

Gegenstände des Alltags: Die Scheuerwolle

Veröffentlicht: 30. November 2011 von Lakritzschnecke in Gegenstände des Alltags
Schlagwörter:, , , ,

Preisfrage des Tages: Was haben Fleischpflanzerl, Bratwürste, Schupfnudeln, ein leckerer Wok und im schlimmsten Fall auch Pfannkuchen gemeinsam? (mehr …)

Gegenstände des Alltags: Der Rasenmäher

Veröffentlicht: 21. April 2011 von Lakritzschnecke in Gegenstände des Alltags
Schlagwörter:, , ,

Heute habe ich mich geärgert. Immer, wenn ich ein paar Tage zuhause verbringe, muss ich mich ärgern, stets aufs Neue, stets über die gleichen Dinge, die jedoch schnell wieder in Vergessenheit geraten, wenn man lange nicht daheim ist. Heute habe ich mich geärgert, zuerst über das Familienoberhaupt, eigensinnig, rechthaberisch und stets bemüht, die Reste der seit der Pubertät seiner Kinder schwindende Autorität zu bewahren, später über den Rasenmäher, einen Gegenstand des Alltags. Alles begann mit zwei Sätzen:

„Du hast doch die ganze Zeit nichts zu tun, faules Stück, mäh du doch den Rasen! Die paar Minuten wirst du doch grad noch für die Familie Zeit haben.“

Rasenmähen. Im Zeitalter von explosionsartiger Pollenausschüttung und gemeiner Grasallergie eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Doch es gibt keinen Grund zur Gnade, die nörgelnden Nachbarn um uns herum mähten bereits vor Tagen und Ostern steht bevor, ja, was tut man nicht alles um des lieben Friedens willen. Also schreite ich mit rezeptfreien Antiallergika und Tempo zur Tat. Dabei fällt mir auf, dass ich zum Rasenmähen seit jeher ein zwiespältiges Verhältnis habe und mich aus gutem Grund vor der Ausführung der lästigen Pflicht drücken wollte: Die Tätigkeit an sich mag ich gerne, das Knattern der Maschine, das Spiel mit dem Kabel, über das man lieber nicht drübermähen sollte, die pure Macht über das stupide, allergieauslösende Gras, die Vollkommenheit, mit der alles Grün egoshooterartig daniedergemetzelt wird, herrlich, sadistisch, königlich. Zurück bleibt der Triumph des Menschen über die Natur: stoppelkurzer, in Zentimetern messbarer Golfrasen, von den zahlreichen Wühlmauslöchern abgesehen. Das frische Gras riecht, ich niese, und schlagartig fällt mir wieder ein, was ich am Rasenmähen so gar nicht mag: Wo sind die als Unkraut beschimpften, aber niedlichen kleinen Gänseblümchen und die sonnengelben Löwenzähne hin, wo die bittergrünen Halme voller Leben, die beim Barfußlaufen so angenehm an den Fußssohlen kitzelten? Wieso hat der Mensch die Tendenz dazu, alles ungleich Wachsende gleich zu machen, Verschiedenheit schlichtweg zu ignorieren und herzlos zur Zerstörung anzusetzen? Das herrschaftliche Gefühl von vorhin weicht einer kurzen Empfindung der eigenen Erbärmlichkeit, und dann dem Ärger über die getane Tat und die kümmerlichen Konventionen der Menschheit. Was folgt, ist nur die Notiz an mich selbst:

Zieh niemals in ein kleinstädtisches Reihenhaus, wenn dir deine Löwenzähne lieb sind.

Willkommen zu einer neuen Rubrik auf Art Any Mess!

Hier sollen in Zukunft in kurzen, knackigen Beiträgen Gegenstände des Alltags vorgestellt werden, die in unserem heutigen hektischen Leben meist zu kurz kommen, obwohl sie doch so viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Gegenstände, die jeder schon einmal verwendet oder in der Hand hatte, die man jedoch nach Gebrauch schnell beiseite legt und vergisst, bis man sie wieder braucht. Einen Moment lang helfen sie einem dann weiter, erfreuen oder belustigen – doch von diesem einen Augenblick abgesehen sind sie wertlos. Wir wollen diese Gegenstände hier würdigen und an ihre Existenz erinnern. Viel Spaß beim Lesen!

Gegenstände des Alltags I: Der Heizungsschlüssel

Der Heizungs- oder Entlüftungsschlüssel ist ein kleines, silbriges Ding, mit dem man nicht warm werden wollende Heizungen entlüftet. Ein Gegenstand, der nur diesem einen Zweck dient, der ansonsten vollkommen wert- und sinnlos ist. Er liegt im Weg, stört das Auge und den Ästhetik suchenden Blick, er wird weggeräumt und in Schubladen unsichtbar gemacht – doch wehe, wenn die Heizung nach einem langen Sommer wieder in Betrieb genommen wird und der Heizungsschlüssel nicht auffindbar ist… Meine Heizung möchte jede Woche mindestens ein Mal entlüftet werden – als Alternative zeigt sie mir die kalte Schulter, streikt. Seitdem mir diese Tatsache bewusst ist, ziert ein Heizungsschlüssel mein Regal, ein kleines, silbriges, wertloses Ding, das Tag für Tag auf den Tag wartet, an dem es mein Leben erneut retten wird. Wie froh bin ich dann um den unscheinbaren Schlüssel, der Wohnung und Herz im Handumdrehen wieder aufwärmt, wie gerne lege ich ihn zurück ins Regal und sehe ihn von Zeit zu Zeit an, den kleinen Gegenstand, den ich seit einem verzweifelten Winter ohne ihn erst schätzen und lieben gelernt habe.