Festival: Walpurgis Metal Days

Veröffentlicht: 10. Mai 2010 von Lakritzschnecke in Festivals, Konzertberichte
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Am vergangenen Wochenende fanden zur Freude aller abgebrühten und wetterfesten Metaller zum zehnten Mal die Walpurgis Metal Days im niederbayrischen Hauzenberg nahe der österreichischen Grenze statt. 19 Bands aus dem Death und Black Metal-Bereich gaben an zwei Tagen auf einer Zeltbühne ihr instrumentales und verkleidungstechnisches Potential zum Besten. Im Großen und Ganzen verlief das Festival friedlich und ruhig, nur einige Metaller fielen durch alkoholbedingte Ausfallerscheinungen und die auf Festivals leider übliche Müllsauerei rund um den eigenen Zeltplatz auf. Im Vergleich zu den letztjährigen Metaltagen war die Besucherzahl jedoch deutlich geringer – nach ersten Schätzungen dürfte es sich um ca. 1200 Besucher gehandelt haben, die von Donnerstag bis Sonntag den Hauzenberger Stadtpark unsicher machten. Von Veranstalterseite sind bis dato noch keine offiziellen Besucherzahlen zu erfahren. Dafür stellte sich der Sound bei sämtlichen Bands als wesentlich besser als noch im Vorjahr heraus – den Veranstaltern ist dafür sowie für den reibungslosen Ablauf des Festivals ein Kompliment auszusprechen.

Einen ordentlichen Auftakt gaben am Freitag Nachmittag Full Of Anguish, die…  … zwar vor wenigen Zuschauern ihren Brettersound ins Zelt feuerten, aber dennoch eine souveräne Darbietung ablieferten. Die darauf folgenden Nazarene Decomposing fielen neben ihrem Bandnamen vor allem aufgrund ihrer extremen antichristlichen Symbolik (Mikroständer mit umgedrehtem Jesus am Kreuz) und ihrer schwarz-weiß-rot geschminkten Gruselgesichter auf. Entsprechend wenig bleibenden Eindruck hinterließ allerdings die Musik, die großteils aus hohlem Dahingebolze ohne Melodie und Rhythmus bestand. Umso besser, dass danach die im Publikum schwer beliebten Excrematory Grindfuckers folgten, die eine gekonnte Darbietung mit allerlei auf das Hauptwort „Grind-“ zugemünzte Coversongs zum Besten gaben. Die Spaßkombo schaffte es, mit extrem guter Laune, jeder Menge headbangtauglichen Riffs und einer rosa Hello Kity-Gitarre das zahlreich vorhandene Publikum zum Kochen zu bringen – der erste Höhepunkt der Metal Days war erreicht. Dass sich dieser beim folgenden Auftritt von Omnium Gatherum nicht ganz aufrecht erhalten ließ, war zu erwarten. Die Gruppe spielte vor wesentlich weniger Zuhörern ihren Auftritt zwar engagiert und mit dem nötigen Selbstbewusstsein herunter, sorgte jedoch für ein geteiltes Echo und kam bei eingeweihten Fans gut, bei kritischen Neulingen eher mäßig an. Artillery machten dagegen ihrem Namen alle Ehre und feuerten Riffsalven und schwermetallische Rhythmusgeschosse in die bangende, jedoch relativ kleine Meute. Einen erneuten Höhepunkt erlebten die Walpurgis Metal Days mit der folgenden italienisch-deutschen Band Graveworm, die übrigens als einzige Truppe des Festivals eine Frau dabeihatten. Die machte mit ihren Kameraden ordentlich Stimmung und durfte sich über eine nicht unbeachtliche Menge schwarzer Wesen vor der Bühne freuen, die den gelungenen Auftritt mit Pogo und Beifall belohnten. Diesmal konnte sich die Stimmung halten, denn kurz darauf stürmten die Freitagsheadliner Benediction die Bühne und gaben jede Menge guten Death Metal-Stoff aus über zwanzig Jahren Bandgeschichte zum Besten. Erwähnenswert sind dabei die Ansagen von Frontmann Dave Hunt, der statt des üblichen Verschwindens von der Bühne lieber ein Lied mehr spielte und von anderen Bands mehr Ehrlichkeit gegenüber den Fans forderte. Die Ansage und der hervorragende Auftritt wurde mit Applaus und jeder Menge Pommelgabeln aus dem Publikum belohnt. Der erste Festivaltag konnte sich sehen und hören lassen, und so krochen die ersten müden Metaller zufrieden in ihre Zelte, während sich die Feierwütigen noch die maikalte Nacht, jede Menge Bier und konstant harte Musik um die Ohren schlugen.

Der zweite Tag begann mit jeder Menge Geholze der Bands Ultrawurscht und Devastating Enemy, die von der Verfasserin dieses Artikels lediglich schlaftrunken aus der Ferne vernommen wurden. Einen etwas kläglichen Eindruck machte danach Exotoxin: Auf der Bühne war lediglich Musiker Reinhold Schmidt mit Gitarre zu sehen, der zuvor im Studio alle anderen Instrumente selbst eingespielt hatte. Der thrashähnliche Metal, den die Ein-Mann-Band zum Besten gab, war das Zuhören allerdings durchaus wert. Die darauf folgenden Outrage bemühten sich um eine gute Performance, versanken jedoch mehr und mehr im Bereich der „netten Belanglosigkeit“.  Seasons In Black bewiesen das Gegenteil und sorgten für einen unerwartet feinen Samstags-Höhepunkt, der erstmals aufhorchen ließ und dank sympathischem Auftreten und einer durchs Publikum kreisenden Flasche Hochprozentigem ein voller Erfolg wurde. Bei Angmar konnte daher die Stimmung nur sinken, und das tat sie gewaltig. Auch die darauf folgenden Bands GodHateCode, Final Breath und Desaster schafften es nicht, einen bleibenden klanglichen Eindruck zu hinterlassen. Der erste Samstags-Headliner God Dethroned aus den Niederlanden hatte dementsprechend leichtes Spiel und brachte das gut gefüllte Zelt mit gepflegtem Death Metal-Riffing zum Ausflippen im Prügelpit und beim Headbangen. Die Schweizer Samael konnten trotz viel zu laut gestimmter Gitarren während des ersten Songs an die gute Stimmung anknüpfen. Kein Wunder – das Zusammenwirken des charismatisch-bösen Frontmanns Vorph und des Spielfreude verbreitenden Bassisten Mas sowie eine geballte Ladung elektronisch angehauchter Metal-Hits und eine deftige Lightshow bekommt man in Niederbayern schließlich nicht alle Tage zu sehen. So euphorisch Samael vom Publikum verabschiedet wurde, so begeistert wurde auch der wahre Headliner des Festivals begrüßt: Unleashed feuerten in einer Stunde und zehn Minuten ihre wichtigsten Hits auf die tobende Meute ab und bewiesen, dass sie im Jahr der Veröffentlichung ihres zehnten Studioalbums noch kein bisschen müde sind. Mit diesem überragenden Konzertfinale gingen die Metaltage 2010 zuende. Es war ein würdiges zehnjähriges Jubiläum mit entsprechend hochklassigen Headlinern, toller Atmosphäre an den wenigen Ständen und dem Charme eines klein gebliebenen Festivals – dank dieser Kombination werden viele Schwarzmetaller sicherlich im nächsten Jahr gerne zurück nach Niederbayern kommen, um die elfte Folge der Walpurgis Metal Days in Hauzenberg mitzuerleben.

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Kommentare
  1. autoklaw sagt:

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  2. Always closure the night by- picking up the tempo again and playing upbeat music and songs.

    Meditation but music are two inseparable components.

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